Unternehmen haben Beziehungsaengste

1. Menschen verändern sich
ihr Konsum- und Medienennutzungsverhalten

2. Medien sind die Infrastrukturen der Zukunft
und unserer Zeit

3. Wirtschaft wird sich dieser Situation anpassen

So die 3 Grundthesen Peter Wippermanns bei seinem gestrigen Vortrag “Süchtig nach Anerkennung: Warum die Ökonomie der Aufmerksamkeit vor dem Kollaps steht”, den ich anmoderieren durfte.

Links zum Vortrag: delicious.com/wiinstitute/trend08

Die Veränderung im Mediennutzungsverhalten
und der Menschen hin zur Rolle des Prosumers im Web sind bekannt. Spannend ist jedoch, dass das Persönliche so stark in den Vordergrund tritt und damit Marken, Unternehmen, Produkte und Medien in den Hintergrund verdrängt. Personenkult, Selbstdesign und -inszenierung sind die Zeichen der Zeit, so Wippermann, um durch Anerkennung von aussen unseren sozialen Status zu sichern. 1985 hatte man noch 6 Freunde und 35 Bekannte, heute sind es 9 Freunde und 155 Bekannte, die die soziale Nähe ermöglichen: auf Facebook oder im Waschsalon.

Google patentiert den Social Rank
Der Suchanbieter Google hat das erkannt und lässt sich, nach dem Page Rank, jetzt den Social Rank patentieren, einer Möglichkeit den sozialen Status und damit die Wertigkeit von Meinungen und Informationen dieser Personen bewerten zu können. Der Mensch in Bits.

Neue Geschäftsfelder durch professionelle Infrastruktur
Amazon, Wal Mart und auch die Metro schöpfen jetzt und der Zukunft wesentliche Wettbewerbsvorteile durch massive Investitionen in ihre Infrastrukturen. Eine gute Infrastruktur und eine gute Marke erlauben dann das Vordringen in neue Geschäftsfelder: Amazon wagt den Schritt zum Gemüsehändler - Amazon Fresh oder aber schaltet Anzeigen auf seinen Portalen, ebenso wie Wal Mart.

N=1 R=G
Die Wissenschaftler Prahalad und Krishnan haben diesem Zustand in ihrem neuen Buch The New Age of Innovation eine Formel gegeben:

Die personalisierte, felxible und anpassungsfähige Servicierung eines einzigen Kunden erfordert hohe Qualität, Kosteneffizienz und Flexibilität in der Infrastruktur (bestenfalls global), um wirtschaftlich sein. Die Medien sind die Infrastrukturen der Zukunft.

Die Wirtschaft wird sich dieser Situation anpassen
Kundendaten stehen bereits im Fokus. Die richtige Anwenung dieser, um tatsächliche Mehrwerte zu schaffen, steht jedoch noch häufig aus. Ein erfolgreiches Beispiel ist das soziale Netzwerk Nike Plus, wo Menschen, ausgestattet mit entsprechendem Endgerät, geographisch voneinander getrennt “gemeinsam” Joggen gehen können. Millionen von Kilometern wurden auf diese Weise bereits zusammen erlaufen.
Neuerdings bietet Nike auch die Möglichkeit Handy-Photos z.B. von Graffittis einzusenden und nach den abgebildeten Farben einen Schuh produzieren zu lassen.

“Laut einer GfK-Studie werden in 3 Jahren 43% aller Stammkunden verschwinden, die für durchschnittlich 80% der Umsätze verantwortlich sind.”

Was tun, wenn es keine Kundenbindung mehr gibt. Die Lösung heißt: authentische und offene Beziehungen zu den rlevanten Kunden aufbauen, Kritik zulassen und Kunden zur Ko-Kreation einladen, um gemeinsam Wettbewerbsvorteile zu schaffen.

Soweit die Theorie. Einige Unternehmen allerdings schaffen es schon heute ihre relevanten Kunden umfangreich ko-kreativ einzubinden: DELL, Salesforce, Lego, Nokia uvm.

Peter Wippermann ist dem Auditorium leider Lösungsansätze fürs Marketing schuldig geblieben. Er polarisierte das Publikum von “langweilig, kannte ich alles schon” bis hin zu “faszinierend, mind blowing” und heizte damit eine Diskussion an, die eines deutlich zeigte: UnternehmerInnen haben Beziehungsängste zu ihren Kunden.

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